Naturnaher Garten im Herbst und Winter: so helfen Sie Igeln, Vögeln und Insekten

Von Armend Shala8 Min. Lesezeit

Junger Igel sitzt im braunen Herbstlaub
Foto: Piotr Łaskawski, Unsplash

Ein naturnaher Garten braucht im Herbst weniger Aufräumarbeit als ein ordentlicher. Laub, verblühte Stauden und ein Haufen Reisig geben Igeln, Vögeln und Insekten Futter und frostfreie Verstecke für den Winter. Vieles in diesem Beitrag läuft darauf hinaus, Dinge liegen zu lassen, die man sonst wegräumen würde.

Die Arbeiten an Rasen, Kübelpflanzen und Obstbäumen stehen in unserem Beitrag Garten auf den Herbst vorbereiten. Hier geht es um die Tiere.

Warum der naturnahe Garten im Herbst zählt

Der Igel steht seit Oktober 2024 auf der internationalen Roten Liste als „potenziell gefährdet“ (LBV). In Deutschland und in Bayern steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste.

Viele Insekten überwintern nicht als fertiges Tier, sondern als Ei, Larve oder Puppe in Pflanzenstängeln, in der Laubschicht und im Boden. Wer im Oktober alles abschneidet und abfährt, bringt sie mit dem Grünschnitt zur Sammelstelle.

Laub liegen lassen: wohin mit dem Herbstlaub im Garten

Auf dem Rasen kann das Laub nicht bleiben. Unter einer dichten, nassen Schicht bekommt das Gras kein Licht und fault. Rechen Sie es zusammen und bringen Sie es dorthin, wo es nützt: auf abgeräumte Beete, unter Hecken und Sträucher oder auf einen Laubhaufen. Drei bis fünf Zentimeter reichen auf den Beeten (BUND Naturschutz). Bis zum Frühjahr haben Regenwürmer und Asseln einen großen Teil davon in Humus verwandelt.

Mit Rechen und Besen geht es langsamer, schont aber die Tiere. Ein Laubbläser bläst mit bis zu 300 km/h und ist oft lauter als 100 Dezibel. Käfer, Spinnen und Amphibien reißt er mit. Laubsauger häckseln sie gleich mit (LBV). Den Igeln fehlen diese Tiere danach als Futter.

Gehwege halten Sie trotzdem frei, nasses Laub ist rutschig.

Laubhaufen für Igel: ein Winterquartier anlegen

Igel halten etwa von Mitte November bis März oder April Winterschlaf und verlieren dabei 15 bis 40 Prozent ihres Gewichts (BUND Naturschutz). Ihr Nest bauen sie an einem trockenen, windgeschützten Platz, und den bietet ein Laubhaufen in einer ruhigen Gartenecke.

So bauen Sie ihn:

  • einen Platz im Halbschatten wählen, an dem im Winter niemand vorbeigeht, etwa unter einer Hecke
  • Laub in Schichten aufhäufen und Zweige dazwischenlegen, damit innen Hohlräume bleiben
  • obenauf ein paar Äste legen, damit der Wind das Laub nicht verweht
  • bis zum Frühjahr nicht mehr umschichten

Unter das Laub passt auch ein Igelhaus aus unbehandeltem Holz. Auch den Komposthaufen setzen Sie von November bis März nicht um, Igel überwintern gern darin. Liegen Reisighaufen zum Abtransport bereit, sehen Sie vor dem Aufladen nach.

Igel im Garten schützen: Zaun, Mähroboter und Gefahrenquellen

Igel ziehen nachts durch mehrere Gärten. Eine Lücke am Boden zum Nachbargrundstück reicht ihnen. Bei einem neuen Zaun lässt sich der Durchgang gleich einplanen. Doppelstabmatten auf einem durchgehenden Betonsockel sind für Igel eine Sperre.

Mähroboter, die nachts fahren, treffen auf Igel. Die Tiere sind nachtaktiv. Das Landesamt für Umwelt rät, den Mähroboter nur tagsüber und nicht täglich fahren zu lassen und die Fläche vorher abzusuchen (LfU Bayern).

Gefährlich sind außerdem offene Kellerschächte, Gruben und Gartenteiche mit steilem Rand. Ein Gitter über dem Schacht oder ein Brett als Rampe am Teich reicht. Vor dem Freischneiden unter Hecken und Sträuchern lohnt ein Blick ins Gebüsch.

Igel im Herbst füttern: wann es hilft und was er fressen darf

Gesunde Igel finden selbst genug Käfer, Raupen und Regenwürmer. Zufüttern ist nur ein Notbehelf, etwa für Jungigel, die Anfang November noch unter 500 Gramm wiegen. Diese Grenze nennt der BUND Naturschutz. Geeignet sind Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, gestocktes Rührei und gegartes, ungewürztes Rinderhack, dazu Wasser in einer flachen Schale. Milch und Obst sind tabu. Von Milch bekommen Igel Durchfall, der tödlich enden kann.

Ein Igel, der nach dem ersten Frost tagsüber herumläuft, eingefallene Flanken oder eine Delle hinter dem Kopf hat, braucht Hilfe. Der LBV hat dafür einen Igel-Infoservice mit Telefon und E-Mail. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Igel besonders geschützt. Ein krankes oder hilfloses Tier dürfen Sie aufnehmen, müssen es aber freilassen, sobald es sich wieder selbst versorgen kann.

Vögel im Winter füttern: Futter, Futterstelle und Hygiene

Der NABU empfiehlt die Vogelfütterung vor allem von November bis Februar, bei Frost und Schnee hilft sie am meisten (NABU). Beim LBV gilt sie auch das ganze Jahr über als unschädlich, solange Futter und Futterstelle sauber bleiben.

Futtersilos sind hygienischer als das klassische Futterhäuschen. Im Häuschen stehen die Vögel im Futter und verschmutzen es mit Kot. Bleibt es beim Häuschen, reinigen Sie es möglichst täglich mit heißem Wasser und ohne Reinigungsmittel.

Meisen und Finken fressen Sonnenblumenkerne, Meisen, Spechte und Kleiber außerdem Fettfutter. Amseln und Rotkehlchen suchen ihr Futter am Boden. Für sie streuen Sie in Öl getränkte Haferflocken, Rosinen oder klein geschnittene Äpfel an eine geschützte Stelle. Brot quillt im Magen auf und verdirbt schnell, Gesalzenes wie Speck vertragen Vögel nicht. Meisenknödel kaufen Sie ohne Plastiknetz, darin verfangen sich die Vögel.

Die Futterstelle gehört an einen übersichtlichen Platz, an den sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können, mit einem Busch in einigem Abstand als Deckung. Große Glasscheiben in der Nähe markieren Sie, damit die Vögel nicht dagegen fliegen. Das Wasser in einer flachen Schale wechseln Sie täglich. Bei Frost lösen Sie das Eis und füllen warmes Wasser nach.

Vom 8. bis 10. Januar 2027 zählen NABU und LBV wieder die Vögel in den Gärten. Mitmachen kann jeder, eine Stunde am Futterhaus reicht (Stunde der Wintervögel).

Nistkästen im Herbst reinigen

Laut NABU ist der September der beste Monat zum Reinigen. Später übernachten oft Wintergäste im Kasten, dann warten Sie besser bis Februar oder März (NABU). Der LBV hält auch Herbst und Winter für möglich und rät wegen der Hantaviren im Staub alter Nester zu Handschuhen und Maske.

Nehmen Sie das alte Nest heraus und fegen Sie den Kasten mit einer Bürste aus. Reinigungsmittel brauchen Sie nicht.

Stauden, Totholz und Laub als Winterquartier für Insekten

Verblühte Stauden sehen im November nicht mehr schön aus. Für Insekten sind sie ein Quartier: In hohlen Stängeln überwintern Wildbienen und Marienkäfer. Die Samenstände von Sonnenblume, Karde und Distel fressen Stieglitze im Winter. Schneiden Sie die Stauden deshalb erst im Frühjahr zurück, am besten nach den Eisheiligen Mitte Mai.

Äste und Baumschnitt, in einer Ecke zu einem Haufen geschichtet, sind das ganze Jahr über bewohnt, von Käfern, Spinnen und Kröten. Mit mehr Platz wird daraus eine Totholzhecke, ein lockerer Wall aus Zweigen zwischen zwei Reihen Pfosten.

Kompost anlegen und Laub kompostieren

Im Kompost wird aus Laub, Rasenschnitt und Küchenabfällen Erde für die Beete. Er gehört an einen schattigen, windgeschützten Platz direkt auf den Boden, nicht auf Pflaster und nicht in eine Grube (Umweltbundesamt, Kompostfibel). Über den Boden wandern Regenwürmer ein.

Unten kommt eine Lage grober Zweige hin, damit Luft an den Haufen kommt. Darauf schichten Sie im Wechsel feuchtes, grünes Material wie Rasenschnitt und Gemüsereste und trockenes, holziges wie Laub und gehäckselten Strauchschnitt. Rasenschnitt bringen Sie nur dünn auf, in dicker Lage fault er.

Auf den Kompost gehören rohe Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz, Eierschalen, Laub, Rasenschnitt und zerkleinerter Gehölzschnitt. Fleisch, Fisch, Knochen und gekochte Reste locken Ratten an und bleiben draußen. Kranke Pflanzenteile, etwa mit Mehltau, Kohlhernie oder Kraut- und Knollenfäule, gehören in die Biotonne oder den Restmüll.

Laub von Eiche, Walnuss, Buche, Birke, Pappel, Kastanie und Platane verrottet langsam, seine Gerbsäure macht den Kompost sauer. Fahren Sie vorher mit dem Rasenmäher darüber und streuen Sie etwas Kalk dazu. Frischkompost ist nach drei bis vier Monaten fertig und taugt zum Mulchen. Reifen Kompost für Aussaat und Pflanzung hat man nach sechs bis zwölf Monaten, im Sommer schon nach vier bis sechs.

Mit eigenem Kompost brauchen Sie weniger gekaufte Erde. Achten Sie dabei auf „torffrei“, denn „Bio“ und „torfreduziert“ auf dem Sack heißen nicht, dass kein Torf drin ist. Moore speichern weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen, in Bayern sind über 90 Prozent der Moorböden beeinträchtigt (LfU Bayern).

Laub und Grüngut im Landkreis Günzburg entsorgen

Was nicht auf den eigenen Kompost passt, nimmt der Kreisabfallwirtschaftsbetrieb an seinen Grüngutsammelstellen an. Gebührenfrei sind je Anlieferung und Öffnungstag bis zu 4 Kubikmeter Baum- und Strauchschnitt und bis zu 2 Kubikmeter Grüngut einschließlich Laub. Beides liefern Sie getrennt an (KAW Günzburg, Merkblatt Pflanzliche Abfälle). Für größere Mengen fallen Gebühren an, etwa im Abfallwirtschaftszentrum Burgau. Viele Sammelstellen hatten zuletzt im Winter geschlossen, die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf der Seite des KAW.

Hecken und Sträucher naturnah pflegen

Größere Rückschnitte an Hecken und Gebüschen sind nur vom 1. Oktober bis Ende Februar erlaubt, schonende Form- und Pflegeschnitte das ganze Jahr. Die Einzelheiten stehen in unserem Beitrag Hecke schneiden: Wann ist es erlaubt und wann verboten? Sehen Sie vor dem Schnitt nach, ob am Fuß der Hecke ein Igel im Laub liegt.

Der Herbst ist auch Pflanzzeit. Heimische Sträucher wie Schlehe, Weißdorn, Hundsrose und Schwarzer Holunder tragen Beeren, von denen Vögel bis in den Winter fressen, und blühen im Frühjahr für Insekten. Kirschlorbeer und Thuja bieten den Tieren davon wenig.

In Bayern verlangt Artikel 7 der Bauordnung, nicht überbaute Flächen eines Grundstücks zu begrünen oder zu bepflanzen (BayBO). Gemeinden können Steingärten ohne Bewuchs per Satzung verbieten.

Checkliste für den naturnahen Garten im Herbst

  • Laub vom Rasen auf Beete und unter Sträucher rechen
  • Laub- und Reisighaufen für Igel in einer ruhigen Ecke anlegen
  • Lücke im Zaun lassen, Kellerschächte und Teiche sichern
  • Mähroboter nur tagsüber fahren lassen
  • Stauden mit Samenständen und hohlen Stängeln bis zum Frühjahr stehen lassen
  • Futtersilo und Wasserschale für die Vögel aufstellen
  • Nistkästen leeren und ausbürsten
  • Kompost mit Laub und Rasenschnitt im Wechsel aufsetzen
  • Hecke ab Oktober schneiden, vorher nach Tieren sehen
  • heimische Sträucher pflanzen

Naturnahe Gartenpflege in Günzburg und Umgebung

Wenn Sie die Herbstarbeit abgeben möchten, übernehmen wir Heckenschnitt, Laub und Grünschnitt im Raum Günzburg, Krumbach, Ulm und Dillingen. Sagen Sie uns vorher, welche Ecken ungestört bleiben sollen. Dann bleibt der Laubhaufen liegen, und wir nehmen nur mit, was weg soll. Mehr dazu auf der Seite Gartenpflege, Ihre Anfrage geht über das Kontaktformular.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen zum naturnahen Garten

Ihre Frage ist nicht dabei? Rufen Sie an oder schreiben Sie uns, wir antworten persönlich.

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Darf man Laub im Garten liegen lassen?

Ja. Auf Beeten, unter Hecken und unter Sträuchern ist Laub ein Winterquartier für Insekten und Igel und schützt den Boden vor Frost. Vom Rasen sollten Sie es entfernen, weil das Gras unter einer nassen Laubschicht fault. Gehwege halten Sie frei, nasses Laub ist rutschig.

Wie kann man Igeln im Herbst im Garten helfen?

Mit einem Laub- und Reisighaufen in einer ruhigen Ecke, einer flachen Schale Wasser und einer Lücke im Zaun zum Nachbargarten. Der Mähroboter sollte nur tagsüber fahren. Kellerschächte und Teiche ohne flachen Ausstieg sichern Sie mit einem Gitter oder einem Brett als Rampe.

Was darf ein Igel fressen, wenn man ihn zufüttert?

Geeignet sind Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, gestocktes Rührei und gegartes, ungewürztes Rinderhack, dazu Wasser in einer flachen Schale. Milch und Obst sind für Igel tabu, Milch verursacht Durchfall. Zufüttern ist nur nötig, wenn ein Igel im Spätherbst zu leicht ist.

Ab wann sollte man Vögel im Winter füttern?

Der NABU empfiehlt die Vogelfütterung vor allem von November bis Februar. Der LBV hält sie auch über das ganze Jahr für unschädlich, wenn Futter und Futterstelle sauber sind. Ein Futtersilo ist hygienischer als ein offenes Futterhäuschen.

Was darf nicht auf den Kompost?

Fleisch, Fisch, Knochen und gekochte Speisereste gehören nicht auf den Gartenkompost, sie locken Ratten an. Kranke Pflanzenteile, etwa mit Mehltau oder Kraut- und Knollenfäule, entsorgen Sie über die Biotonne oder den Restmüll.

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